Lockdown hat Einfluss auf Stoffwechsel von Kindern und Jugendlichen

Forscher-Team des Kinder- und Jugendkrankenhauses AUF DER BULT erhält Fördergeld in Höhe von 15.000 Euro

Während der COVID 19-Pandemie wurden deutlich weniger Gesundheitsleistungen von  Ärzten und medizinischen Einrichtungen beansprucht, was nun auch zu medizinischen Folgen führt. Eine erste Kurz-Studie während der Pandemie, an der auch die Klinische Forschung im Kinder- und Jugendkrankenhaus AUF DER BULT beteiligt war, hat aufhorchen lassen: Vom 13. März bis 13. Mai 2020 wurden Daten von deutschlandweit 532 Kindern und Jugendlichen analysiert, die in dieser Zeit einen Typ-1-Diabetes bekommen haben. Die Auswertungen ergaben einen signifikanten Anstieg der diabetischen Ketoazidose und der schweren Ketoazidose bei Kindern und Jugendlichen während der COVID-19-Pandemie in Deutschland (*). Bei einer Ketozidose entstehen durch Insulinmangel Ketonkörper, die das Blut übersäuern. Ohne Gegenmaßnahmen ist eine Ketoazidose lebensgefährlich.

Die Kurz-Studie war Anlass für das nun breiter angelegte Forschungsprojekt, für die die Klinische Forschung des Kinder- und Jugendkrankenhauses AUF DER BULT 15.000 Euro Förderung von der Deutschen Diabetes Stiftung erhält. Bei dieser wissenschaftlichen Untersuchung geht es um die potentiellen Unterschiede im Zuckerstoffwechsel von Kindern und Jugendlichen mit Diabetes infolge des Lockdowns. In dieser Zeit durften sie nicht mehr zur Schule, mussten zum Teil fremdbetreut werden, waren mehr auf sich selbst gestellt, hatten aber wenig bis gar keine Beschäftigungsalternativen wie zum Beispiel organisiertes Training im Sportverein. Nun sollen die Daten aus möglichst vielen der 217 deutschen Diabeteszentren erfasst und mit denen in Corona-freien Zeiten sowie mit denen in „regulären“ Ferien verglichen werden.

Die Folge des Forschungsprojektes können Erkenntnisse sein, welche Rolle psychosoziale Faktoren wie ein kontinuierlicher Tagesrhythmus, regelmäßige sportliche Bewegung oder gesellschaftlicher Kontakt für eine Stoffwechselerkrankung wie Diabetes einnimmt. Ein bereits feststehendes Ergebnis ist, dass Eltern und Ärzte besser über die Frühzeichen einer Diabetes (vermehrtes Trinken, vermehrtes Wasserlassen, Gewichtsverlust, unerklärliche Müdigkeit) aufgeklärt werden sollten, um gefährliche Entgleisungen zu verhindern.

*: Während des COVID-19-Zeitraums im Jahr 2020 war die Häufigkeit der diabetischen Ketoazidose im Vergleich zu den beiden Vorjahren signifikant höher (44,7% im Jahr 2020 gegenüber 24,5% im Jahr 2019; 24,1% im Jahr 2018). Die Inzidenz schwerer diabetischer Ketoazidose war im Vergleich zu den Vorjahren ebenfalls signifikant höher (19,4% im Jahr 2020 gegenüber 13,9% im Jahr 2019; 12,3% im Jahr 2018).