10 Jahre Interaktive Musiker AUF DER BULT

Mit Harfe, Gitarre, Nasenflöten und vielen anderen Instrumenten gehen Maria Hollander, Kirsten Rotter und Leo Keita zu den Patienten im Kinder- und Jugendkrankenhaus AUF DER BULT in Hannover. Gemeinsam mit den Kindern und Eltern singen und musizieren sie. Alle drei haben an der Hochschule Hannover eine spezielle Ausbildung als Interaktive Musiker/innen im Gesundheitssystem abgeschlossen.

Auf der Frühchenstation schlägt Maria Hollander zart die Saiten ihrer Harfe an und sorgt so bei den Neugeborenen und deren Müttern für sichtbare Entspannung. Sich lösende Verkrampfungen durch Musik sind auch auf der Neurologiestation zu beobachten. Leo Keita spielt an den Patientenbetten von Kindern und Jugendlichen mit schweren Behinderungen auf der Gitarre und mit der Mundharmonika. Kirsten Rotter hat auf ihrem „Instrumentenwagen“ Gitarre, Ukulele, Sansula und viele kleine perkussive Klangüberraschungen, um gemeinsam mit den 0 bis 18 jährigen Mädchen und Jungs in ihrem Zimmern unter anderem in der Kinderchirurgie Musik zu machen. Die Bandbreite reicht vom altersgemäßen gemeinsamen Singen und Musizieren, mal in Deutsch, mal in anderen Sprachen bis zu leisen entspannenden Klängen.

Die interaktiven Musiker wurden von Anfang an Förderverein FREUNDE AUF DER BULT E.V. unterstützt, denn die Finanzierung solcher Angebote werden nicht von den Krankenkassen und Kostenträger übernommen. Bei einem kleinen Festakt spielten die drei interaktiven Musiker vor vollem Haus Lieder wie zum Beispiel "Lieblingsmensch", “The Lion sleeps tonight“ oder den „Geister Rock’n’Roll“ sowie ein Medley aus bekannten Kinderliedern. Dazu wurde in kurzen Beiträgen die Geschichte des Interaktiven Musizierens auf der Bult erläutert und wann welche Musik zum Einsatz kommt. Als Überraschung brachten Vertreter des Sortierzentrums von Amazon in Garbsen eine Spende von 3.136 Euro mit.

Interaktives Musizieren

Ganz zarte leise oder auch fröhlich mitreißende Klänge durchziehen seit 2009 das Kinder- und Jugendkrankenhaus AUF DER BULT und helfen mit, eine wohlige und freundliche Atmosphäre zu schaffen, in der die kleinen und größeren Patienten genesen können. Die drei interaktiven Musiker Maria Hollander, Leo Keita und Kirsten Rotter kommen mit Gitarre, Ukulele, Leier, Kinderharfe, Sansula, Kalimba, Nasenflöten, ihren Stimme und vielen kleinen Klangüberraschungen. An verschiedenen Tagen besuchen sie die Stationen des Hauses.

Je nach Schwere der Erkrankung oder Alter der Patienten ergeben sich dabei die vielfältigsten Begegnungen und Situationen, die sich jeweils individuell, zeitlich flexibel und vor allem freiwillig entwickeln dürfen. Immer geht es darum, jedes Kind, jeden Erwachsenen in seiner Gesamtheit und Besonderheit wahrzunehmen, anzunehmen und den sich ergebenen besonderen Moment musikalisch gemeinsam zu gestalten. Manchmal ergeben sich intensivste Einzelbegegnungen, manchmal auch ein Kindergeburtstag oder ein Mehrgenerationen-Familientreff. Einige Kinder haben wenige Berührungsängste, anderen muss man sich sehr langsam und vorsichtig nähern. Manchmal wecken ein Klangfrosch, die Donnertrommel oder ein Kuckucksruf der Nasenflöte die Neugierde. Viele Instrumente haben die Musiker selbst hergestellt. Sogar viele Jugendliche sind einem kurzen musikalischen „Chill“ gegenüber sehr aufgeschlossen und probieren gern verschiedene Klangangebote aus. Das Repertoire der Musiker ist breit gefächert und reicht von Instrumentalklängen, Wiegenliedern, modernen und traditionellen Kinderliedern, Volksliedern, bekanntem englischen, französischen, afrikanischen, türkischen Liedgut bis zu bekannten Popsongs.

Zum einen kann es wichtig sein, im Hintergrund klangliche Oasen der Ruhe anzubieten, in denen Eltern und Kinder zur Ruhe kommen können, in denen Eltern und Kinder einen geschützten Raum finden, sich aufgehoben, sicher und geborgen fühlen sowie Eltern mit ihren Kindern schmusen und sie zur Musik im Arm wiegen können. Anderswo geht es um die aktive und lebhafte Gestaltung des Augenblicks. Dort wird zusammen „Pippi Langstrumpf“ gesungen oder es wird mit Klängen experimentiert, mit den vielen kleinen Instrumenten, die die Musiker auf einem Wägelchen mitbringen oder überraschend aus einer ihrer vielen Westentaschen zu Tage fördern. Dort, wo kein Deutsch gesprochen wird, entsteht durch die universelle Sprache der Musik eine ganz besondere Ebene der Begegnung von Kulturen und der Integration.

Sehr emotional und bereichernd sind auch für beide Seiten die Begegnungen mit behinderten Kindern und Jugendlichen, denn diese sprechen oft sehr freudig, emotional und ganz direkt auf musikalische Angebote an. Manchmal vertreiben interaktive Musiker auch einfach nur die Langeweile und sorgen für Lachen und fröhlich-lustige Momente. „Wann kommst du wieder?“ wird oft gefragt. Interaktive Musiker sind übrigens für alle da: für alle Patienten vom Frühchen bis zum Jugendlichen, Mama, Papa, Geschwister, Oma, Opa, Onkel, Tanten und sogar auch für das Krankenhauspersonal.

Ein Text von Kirsten Rotter (Musiktherapeutin und Interaktionsmusikerin FH (http://www.interaktionsmusik.de/)