Gütesiegel „Sicherheit und Qualität für brandverletzte Kinder“ für die BULT

Als einziges Krankenhaus in Niedersachsen erhält das Kinder- und Jugendkrankenhaus AUF DER BULT das Gütesiegel, das erstmals vergeben wurde

Im Jahr 2018 wurden bundesweit 4.423 Patienten im Verbrennungsregister der Deutschen Gesellschaft für Verbrennungsmedizin e.V. dokumentiert, davon waren fast 60 Prozent Kinder (1.802 Erwachsene und 2.621 Kinder. Zum Vergleich: Im Jahr 2017 waren es 4.429  Patienten, 1.850 Erwachsene, 2.579 Kinder). Diese Zahlen stellten die Organisatoren der 27. Jahrestagung des Arbeitskreises „Das schwerbrandverletzte Kind“  der Deutschen Gesellschaft für Verbrennungsmedizin (DGV)  in Hannover vor, bei der sich über 200 Experten aus dem In- und Ausland trafen. „Bei den Kindern waren überwiegen Verbrühungen die Unfallursache, so dass in heißen Flüssigkeiten die zumindest zahlenmäßig größte Gefahr liegt. Am häufigsten sind Kleinkinder betroffen, über 70 Prozent der Kinder sind unter 3 Jahren. In diesem Alter ist der Erkundungsdrang groß, der Bewegungsradius vergrößert sich, aber Gefahren werden altersentsprechend nicht erkannt“, sagte Dr. Ingo Königs, Leiter der Sektion für Brandverletzungen, plastische und rekonstruktive Chirurgie im Altonaer Kinderkrankenhaus Hamburg und Sekretär des Arbeitskreises.

40 bis 45 Prozent der betroffenen Kinder werden in Zentren für schwerbrandverletzte Kinder und spezialisierten Kliniken für brandverletzte Kinder behandelt. Um die Optimierung der Genesung und Lebensqualität von Kindern und Jugendlichen mit einer Verbrennungsverletzung zu erreichen, führt der Arbeitskreis „Das schwerbrandverletzte Kind“ erstmalig das Gütesiegel „Sicherheit und Qualität für brandverletzte Kinder“ für Zentren für schwerbrandverletzte Kinder und spezialisierte Kliniken in Deutschland ein. „Wir legen dabei zur Qualitätssicherung der Versorgung von Kindern und Jugendlichen mit einer thermischen Verletzung Mindestanforderungen fest, um die Struktur-, Prozess- und Ergebnisqualität der stationären Versorgung zu sichern“, sagte der Vorsitzender des Arbeitskreises, Dr. Kay Großer, Chefarzt am Helios Klinikum Erfurt. „Dabei orientieren wir uns an den Standards der  Deutschen Gesellschaft für Verbrennungsmedizin (DGV) und der AWMF *1)-Leitlinie „zur Behandlung thermischer Verletzungen im Kindesalter“, um eine qualitativ hochwertige, altersgerechte, stationäre Versorgung sowie ambulante Nachsorge für alle Patienten zu gewährleisten“, erklärte Dr. Großer. Voraussetzung sind unter anderem die Möglichkeit der Mitaufnahme eines Elternteils, eine kindgerecht spezialisierte Behandlung und Pflege sowie die Miteinbeziehung, Schulung und fachgerechte Anleitung der Sorgeberechtigten oder sonstiger Bezugspersonen.

Gütesiegel für das Kinder- und Jugendkrankenhaus AUF DER BULT  Hannover

Auf der Jahrestagung des Arbeitskreises wurde erstmals das Gütesiegel an insgesamt 24 Kliniken in Deutschland verliehen. Es handelt sich dabei um 15 Zentren für schwerbrandverletzte Kinder, vier Schwerbrandverletztenzentren, die sowohl Kinder als auch Erwachsene behandeln und fünf Kliniken für Kinderchirurgie, die eine besondere Expertise in der Behandlung brandverletzter Kinder aufweisen, sogenannte „spezialisierte Kliniken für brandverletzte Kinder“. Auch das Kinder- und Jugendkrankenhaus AUF DER BULT in Hannover erhält als einziges Zentrum für schwerbrandverletzte Kinder im Land Niedersachsen das Gütesiegel. „2018 konnten wir erstmalig seit sechs Jahren wieder weniger Patienten verzeichnen. Insgesamt gab  es 189 Fälle, wobei aber auch hier über 76 Prozent Kinder unter 3 Jahre alt waren“, sagte Dr. Mechthild Sinnig, Oberärztin und Leiterin des Zentrums für schwerbrandverletzte Kinder im Kinder- und Jugendkrankenhaus AUF DER BULT. Allerdings sind die Zahlen in den ersten Monaten des 2019 wieder ansteigend. Dr. Sinnig, die auch stellvertretende Vorsitzende des  Arbeitskreises „Das schwerbrandverletzte  Kind“ ist, betonte, wie wichtig die Zusammenarbeit im Arbeitskreis ist, der sich 1992 in Hannover gegründet hat.

Prävention ist und bleibt wichtigstes Vorsorgemittel

76 Prozent aller brandverletzten Kinder sind jünger als fünf Jahre. „Ein Schwerpunkt der Prävention muss deshalb besonders auf diese Altersgruppe und die Gefahren für Neugeborene, Säuglinge und Kleinkinder ausgerichtet sein“, sagte Adelheid Gottwald, Vorsitzende von Paulinchen e.V., der Initiative für brandverletzte Kinder. Eltern und Aufsichtspersonen sollten sich immer wieder die Gefahren im kindlichen Umfeld bewusst machen und entsprechend absichern und der sich ständig vergrößernden Reichweite des heranwachsenden Kindes anpassen. Zugenommen haben in den letzten Jahren auch die Kontaktverbrennungen an heißen Flächen, wie an Kaminöfen. „Aktuell warnen wir jahreszeitenbedingt vor der Gefahr durch die Verwendung von Spiritus beim Grillen: “Nein zu Spiritus als Grillanzünder”, denn bei rund 4.000 Grillunfällen erleiden jedes Jahr Kinder und Jugendliche zum Teil schwerste Brandverletzungen durch Verpuffungen oder Stichflammen“, erklärte Gottwald.