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Moderne Lasermedizin AUF DER BULT

Neben einem Laser für die Entfernung von krankhaften Veränderungen an den Stimmbändern und Mandel-Eingriffen, für die Behandlung von Hautveränderungen sowie ein lasergestützter „Brandwundenscanner“ ist auch ein neuer Laser zur Nierensteinbehandlung bei Kindern und Jugendlichen im Einsatz.

Quelle: Martin Bargiel

Neuer Laser gegen Nierensteine

Mit dem neuen Holmium-YAG-Laser können von der Abteilung Kinderchirurgie und -urologie Nierensteine ohne tiefere Operationseingriffe zerkleinert werden, dies erleichtert unter anderem den Heilungsprozess. Normalerweise treten bei fünf Prozent aller Erwachsenen um die 40 Jahre Nierensteine auf, aber auch Kinder und Jugendliche haben Nierensteine. Nachdem im 18. Jahrhundert rund 60 Prozent aller Kinder Harnsteine hatten, waren die Zahlen deutlich zurückgegangen. Zuletzt stiegen die Zahlen wieder an, ähnlich wie bei Erwachsenen sind bis zu 5 Prozent aller Kinder und Jugendlichen in Deutschland davon betroffen, dabei gibt es zwischen Mädchen und Jungen keinen Unterschied. Die Ursachen liegen vermutlich in den veränderten Essgewohnheiten - durch mehr Kochsalz in der Nahrung wird  z.B. die Kalziumausscheidung über die Niere und damit auch die Bildung von Kalziumsteinen gefördert.  Eine proteinreiche Nahrung fördert die Bildung von Harnsäuresteinen. Allerdings gibt es weltweit auch einen „Steingürtel“, in dem bei Kindern vermehrt Nierensteine auftreten, weil sie zu wenig Wasser trinken (z.b. Türkei, Indien Afghanistan). Nierensteine sind nicht ungefährlich, da sich Bakterien an ihre Oberfläche anhaften und vermehren  und schwerste Entzündungen mit Blutvergiftungen verursachen. Außerdem können sie die natürlichen Wege im Harnleitersystem blockieren oder verstopfen, die zeitnahe Operationen erforderlich machen. „Bei dem Eingriff wird die Laserfaser gemeinsam mit einer besonders kleinen Lampe sowie einer Kamera innerhalb eines flexiblen oder starren Endoskops in den Harnleiter oder in das Nierenbecken geführt. Am Ziel wird die Laserenergie unter Sicht stoßweise auf die Nierensteine abgegeben“, sagt Chefärztin Dr. Barbara Ludwikowski. Anschließend können die zerkleinerten Steine direkt geborgen werden oder durch die Spülung werden die Reste des Nierensteines über den natürlichen Weg ausgeschieden. Bei diesem schonenden endoskopischen Verfahren sind keine Hautschnitte notwendig und die Patienten können sehr viel schneller nach Hause. Der Laser wurde von der Dr. August und Erika Appenrodt-Stiftung gespendet. 

Über 17 Jahre Erfahrung mit Lasertechnik

Die HNO-Abteilung nutzt die Lasertechnik seit über 17 Jahren bei Eingriffen im Trachealbereich und nimmt mehrere hundert Eingriffe im Jahr vor. Durch die langjährige Erfahrung können bereits Neugeborene, Säuglinge und Kleinkinder bei Kehlkopfvernarbungen, Mandelverkleinerungen und Verengungen der oberen Luftröhre mit einem CO2-Laser behandelt werden. „Der Laserstrahl, dessen Impulsgeber an ein Mikroskop angebaut und über den Mund in den Hals- und Rachenbereich geführt wird, ist nur 0,4 Millimeter breit und kann sowohl als Impuls, also stoßweise, als auch mit sogenannten continues waves als Dauerstrahl eingesetzt werden“, sagt Chefarzt Prof. Dr. Dr. Hans-Jürgen Welkoborsky. Die Bereiche um den Einsatzort werden mit feuchter chirurgischer Watte abgedeckt, um das umliegende gesunde Gewebe zu schonen.
Bei Mandelverkleinerungen, die nötig sind, weil das Kind Atemprobleme oder gar Atemaussetzer hat, ist der Lasereingriff schonender, da der Bereich weniger blutet, es weniger Schmerzen bereitet und das Nachblutungsrisiko geringer ist als bei einer kompletten Mandelentfernungen.
Vernarbungen am Kehlkopf, die zum Beispiel bei Patienten entstehen, die nach einem schweren Unfall über einen längeren Zeitraum intubiert und beatmet werden mussten (Luftzufuhr über die Luftröhre per Schlauch), werden ebenfalls mit der „Wärme“ des Lasers beseitigt, damit die Stimmbänder wieder schwingen können und Sprach- und Atmungsprobleme beseitigt sind.
Durch Entzündungen können im oberen Luftröhrenbereich membranöse Verengungen entstehen, die zu Atmungs- und Sprachproblemen führen können. Diese Membranen können ebenfalls durch den Laser abgetragen werden.

Farbstoff-Laser und “Brandwundenscanner“

Der „Brandwundenscanner“ (genauer: der Laser Doppler Imager), unterstützt die Verbrennungschirurgen bei der Feststellung der Verbrennungstiefe. „Mittels Lasertechnologie wird der Blutfluss in der Verbrennungswunde untersucht. Daraus können wir Rückschlüsse auf die Tiefe der Verbrennungswunde ziehen“, sagt Oberärztin Dr. Mechthild Sinnig. Das erlaubt dann die frühzeitige Diagnose (zwischen 24 und 48 Stunden nach dem Unfall) und eine optimale Behandlungsplanung bei allen Verbrennungsverletzungen. Bisher mussten die meisten Verbrennungswunden oft mehrere Tage - bis zu zwei Wochen lang - von den behandelnden Ärzten beobachtet werden, bevor die endgültige Entscheidung getroffen werden konnte, ob die Wunden von alleine abheilen würden oder ob sie mit einer Hauttransplantation versorgt werden mussten. Mit dem neuen „Brandwundenscanner“ kann diese Entscheidung schon zu einem sehr frühen Zeitpunkt getroffen werden - sehr zum Nutzen der kleinen Patienten.

Der gepulste Farbstoff-Laser wird außerdem in der Abteilung Dermatologie bei der Behandlung von Gefäßveränderungen an der Haut eingesetzt. Er kann zum Beispiel zur Behandlung einer kapillären Malformation (Naevus flammeus) eingesetzt werden, einer angeborenen Fehlbildung, die eine dunkelrote bis rötlich violette Farbe annimmt (umgangssprachlich Feuermal oder „Portweinfleck“). „Da der Laser seine Wirkung hauptsächlich in oberflächlichen Blutgefäßen entfaltet, kann er hautschonend und mit einem sehr geringen Narbenrisiko angewendet werden“, sagt Privatdozent Dr. Hagen Ott, Leitender Arzt der Abteilung Dermatologie und Allergologie. Der Laser kommt ebenfalls bei noch roten und stark juckenden Narben zum Einsatz und kann den Juckreiz günstig beeinflussen und einer überschießenden Narbenbildung vorbeugen.

Alle genannten Laserverfahren werden im Kindesalter üblicherweise in Vollnarkose eingesetzt. Dies ist zum einen notwendig, da die Eingriffe schmerzhaft sind, zum anderen muss das zu behandelnde Kind absolut ruhig liegen, damit bei maximaler Patientensicherheit ein optimales Behandlungsergebnis erzielt werden kann.