Lehrer-Informationen

Liebe Lehrerin, lieber Lehrer,

Im Namen des Zentrums für schwerbrandverletzte Kinder Hannover im Kinder- und Jugendkrankenhaus AUF DER BULT möchten wir Ihnen zunächst für Ihre Aufmerksamkeit danken, denn auch wir wissen um Ihre Belastungen im Schulalltag.

Einer Ihrer Schüler* hat einen schweren Verbrennungsunfall erlitten, der voraussichtlich einen mittel- bis längerfristigen Krankenhausaufenthalt notwendig machen wird. Sowohl der stationäre Aufenthalt als auch die bleibenden physischen und psychischen Unfallfolgen sind für die jungen Patienten sehr belastend. Die Schule spielt für einen jungen Menschen eine besondere Rolle, denn sie ist für ihn Alltag und Normalität, gerade auch wegen der sozialen Kontakte.

Neben medizinischen Informationen möchten wir Ihnen auch unser Vergiss-mich-nicht-Projekt vorstellen. Hier können Sie als Klassenlehrer mit Ihrer Klasse selbst aktiv werden und Ihren Schüler unterstützen.

Das Vergiss-mich-nicht-Projekt

Insbesondere während des stationären Aufenthaltes ist es für den jungen Patienten schwierig, Kontakt zu seinen Mitschülern aufrechtzuerhalten. Darum wollen wir Ihnen einen großen Vergiss-mich-nicht-Teddybär zusenden, der den Platz des Patienten auf dem Stuhl im Klassenzimmer einnimmt. Der Teddybär stellt eine Verbindung zwischen dem fehlenden Schüler und den Mitschülern sowie Ihnen dar und fördert sowohl die aktive Erinnerung als auch das Gespräch über den Erkrankten. Die BULT-Box wird auf dem Schultisch vor dem Teddybär aufgestellt. Hier bietet sich für Sie und Ihre Schüler die Möglichkeit, Bilder, Briefe und Genesungswünsche direkt an das Kind ins Krankenhaus zu schicken. Zusätzlich befindet sich in dem Vergiss-mich-nicht-Paket eine Einweg-BULT-Kamera, mit der Sie 27 Schnappschüsse von Ihren Schülern aufnehmen können. So erlebt Ihr erkrankter Schüler in dieser Situation eine zusätzliche Unterstützung aus seinem sozialen Umfeld. Sie können uns jederzeit die gesammelten Botschaften in der voradressierten BULT-Box zuschicken und erhalten im Austausch eine neue Box von uns. Bitte tragen Sie den Namen des Kindes auf die Box ein!
Wir empfehlen eine ein- bis zweiwöchige Frequenz. Die Einwegkamera können Sie ebenfalls im voradressierten Briefumschlag an unseren Kooperationspartner, das Fotolabor Weckbrodt in Hannover, schicken. Wir kümmern uns um alle weiteren Schritte.

Reintegration

Ist nach einem mittel- oder längerfristigem Zeitraum die stationäre Therapie abgeschlossen, beginnt die Zeit der Reintegration des Kindes in die Klasse. Für viele Kinder mit Verbrennungsverletzungen erfordert es ein hohes Maß an Überwindung, wieder in die Schule zurückzukehren – nicht zuletzt wegen möglicherweise sichtbaren Narben. Im Folgenden möchten wir Ihnen gerne einige Informationen zum Austausch mit Ihrer Klasse als Vorbereitung auf die Reintegration bereitstellen. Dies erleichtert Ihrem Schüler den schulischen Wiedereinstieg, indem es die Akzeptanz der Mitschüler für mögliche medizinisch notwendige Therapien fördert.

Medizinische Informationen

In Deutschland werden jährlich ca. 6.000 Kinder und Jugendliche durch Verbrennungs- und Verbrühungsunfälle so schwer verletzt, dass sie im Krankenhaus stationär behandelt werden müssen. Die meisten Kinder erleben den Unfall bei vollem Bewusstsein. Nicht nur die Haut der Kinder wird geschädigt, sondern die gesamte Persönlichkeit in ihren körperlich-seelischen Empfindungen. Die Behandlung ist schmerzhaft und langwierig, die Trennung von Familie und Freunden durch den Krankenhausaufenthalt belastend sowie der Heilungsprozess von anstrengenden Therapien geprägt.

Warum sind bei vielen Kindern nach einer Verbrennung die betroffenen Hautareale noch sehr stark gerötet und haben zum Teil Narben?

Die Haut ist ein sehr empfindliches Organ. Ähnlich wie bei einem Sonnenbrand zeigt die Rötung an, dass die Haut verletzt ist. Allerdings ist die Verletzung viel schwerer als bei einem Sonnenbrand, sodass die Haut auch noch deutlich länger, zum Teil über Wochen und Monate gerötet ist. Bei manchen Kindern ist die Verletzung so schwer, dass die Haut oft nicht erneut "neue Haut" nachbilden kann, weil die Hautzellen, die diese Aufgabe normalerweise übernehmen, durch die Verbrennung auch zerstört worden sind. Der Körper hilft sich, indem er eine Narbe bildet.

Warum haben viele Kinder nach Verbrennungen sehr kurze Haare?

Bei vielen Verbrennungen ist die Haut so stark verletzt, dass sie nicht wie zum Beispiel bei einem Sonnenbrand von alleine heilen kann. Deshalb kann es notwendig sein, dass obere Hautschichten  von einer anderen Körperstelle genommen und auf die Wunde angenäht werden (Hauttranplantation). Die Kopfhaut eignet sich hier besonders. Es ist zwar notwendig, dass man hierzu die Kopfhaare entfernt, um die Haut zu entnehmen, die Haare wachsen aber mit der Zeit wieder nach. Wenn die Kinder nach solch einer Therapie wieder in die Schule kommen, sind die Haare meist schon ein wenig nachgewachsen - sie haben also eine Kurzhaarfrisur.

Warum müssen manche Kinder spezielle Kleidung, sogenannte Kompressionskleidung, tragen?

Damit die Narbe so schön und glatt wie normale Haut aussieht, ist eine spezielle Kleidung über einen längeren Zeitraum notwendig, in der Regel ein bis zwei Jahre. Durch die Kompressionskleidung wird Druck auf die Narben ausgeübt, um diese schön flach zu halten. Je nachdem wo die Verbrennungen sind, gibt es Kompressions-Hosen, -T-Shirts, -Ärmel aber auch Gesichtsmasken. Es gibt Kompressionskleidung in vielen Farben, und sie sieht fast immer wie Sportkleidung aus. Damit die Narben nicht wieder dicker werden, muss sie tags und nachts getragen werden.

Bei Fragen oder weiterführenden Informationen stehen wir  Ihnen gerne unter folgenden Kontaktdaten zur Verfügung:

Katharina Schriek schriek(at)hka.de oder per Telefon 0511 8115-4507