Anästhesie

Wenn beim Kind eine Operation bzw. ein diagnostischer Eingriff in Narkose (Anästhesie) geplant ist, stehen wir kompetent zur Seite. Unser Narkoseteam ist mit den Ängsten der Kinder und den Sorgen der Eltern bestens vertraut. Alle Mitarbeiter/innen unserer Abteilung sind dabei bestrebt, die Belastungen für Kind und Eltern so gering wie möglich zu halten. Unser Ziel ist es, für das Kind ein Maximum an Sicherheit, Schmerz- und Angstfreiheit sowie Komfort zu gewährleisten. Ein entscheidender Faktor ist dabei eine besonders kind- und elterngerechte Versorgung.

Warum braucht mein Kind eine Narkose (Anästhesie)?
Die Narkose sorgt dafür, dass Ihr Kind während einer Untersuchung oder eines operativen Eingriffs ruhig schläft und keine Schmerzen hat. In Abhängigkeit vom Alter und Gesundheitszustand Ihres Kindes sowie vom geplanten Eingriff können verschiedene Narkoseverfahren angewendet werden (s. u.).

Wie funktioniert eine Narkose (Anästhesie)?

1. Narkose (Allgemeinanästhesie)
Zur Vorbereitung auf die Narkose (Allgemeinanästhesie) bekommen die Kinder ab etwa sechs Monate in der Regel ein Angst lösendes Medikament, entweder als Sirup oder als Zäpfchen (Prämedikation). Während der Narkose schläft Ihr Kind sehr tief. Dazu wird meist eine Kombination von Narkosegas und/oder Narkosemedikamenten verabreicht. Die Narkose kann über eine Atemmaske mit Narkosegas eingeleitet werden, welches, dank verschiedener zur Wahl stehender Duftnoten, recht angenehm riecht und Ihr Kind beim Einschlafen kaum stört. Eine Narkose kann auch durch Einspritzen von Narkosemedikamenten über einen Tropf (Infusion) eingeleitet werden, der vor Narkosebeginn gelegt wird. Dazu kann die Punktionsstelle mittels eines Betäubungspflasters (EMLA®-Pflaster) schmerzunempfindlich gemacht werden. Wenn möglich wird zur Sicherung der Atemwege während der Narkose eine besonders schonende Kehlkopfmaske (Larynxmaske) verwendet.

2. „Dämmerschlaf“ (Sedierung)
Für manche nicht schmerzhafte Untersuchungen wie zum Beispiel die Computertomografie (CT) oder die Kernspintomografie (MRT) muss Ihr Kind über einen längeren Zeitraum ganz still liegen. Dazu ist, je nach Alter des Kindes, meist eine Sedierung („Dämmerschlaf“) erforderlich. Ihr Kind schläft dabei während der Untersuchung und ist hinterher meist sehr schnell wieder wach. Eine Sedierung („Dämmerschlaf“) erfolgt für gewöhnlich mit Medikamenten über einen Tropf (Infusion).

3. „Örtliche Betäubung“ (Lokal- bzw. Regionalanästhesie)
Bei diesen Verfahren wird die Schmerzausschaltung über ein örtliches Betäubungsmittel (Lokalanästhetikum) erzielt, welches in die Nähe eines oder mehrerer Nerven gespritzt wird und somit die Schmerzübertragung blockiert. Dies wird bei uns regelhaft mit Hilfe einer Ultraschalluntersuchung (Sonografie) durchgeführt. Da Kinder beim Anlegen dieser Betäubungsverfahren nicht still halten und auch während der Operationen meist nicht ruhig liegen bleiben, werden örtliche Betäubungsverfahren bei Kindern fast immer mit einer Narkose oder Sedierung (s. o.) kombiniert. Dabei sorgt das örtliche Betäubungsverfahren dafür, dass Ihr Kind schon während des Eingriffs schmerzfrei bleibt und die erforderliche Menge an Narkosemedikamenten meist deutlich reduziert werden kann. Die Lokal- bzw. Regionalanästhesie hält in der Regel für mehrere Stunden an, so dass Ihr Kind auch in der Zeit nach der Operation kaum Schmerzen hat (s. u.).

Kann mein Kind ambulant operiert werden?
Viele Eingriffe bei Kindern können ambulant, d. h. ohne Übernachtung im Krankenhaus, durchgeführt werden. Kinder kommen dadurch rasch wieder in ihr gewohntes Umfeld, unnötige Krankenhausaufenthalte werden vermieden.

Die Entscheidung darüber, ob dies auch bei Ihrem Kind möglich ist, treffen Operateure/innen und Anästhesisten/innen gemeinsam. Dabei steht die Sicherheit Ihres Kindes an erster Stelle unserer Überlegungen. Nach ambulant durchgeführten Eingriffen bleibt Ihr Kind einige Stunden zur Beobachtung im Krankenhaus. Damit es entlassen werden kann, muss es weitestgehend schmerzfrei sein und sollte sich wohlfühlen. Nach der Entlassung muss Ihr Kind für den Rest des Tages unter Aufsicht bleiben und darf in dieser Zeit nicht aktiv am Straßenverkehr teilnehmen sowie keinen Sport und keine gefährlichen Spiele betreiben.

Sie erhalten bei der Entlassung ein Merkblatt mit den wichtigsten Verhaltensempfehlungen sowie Ansprechpartnern/innen und Telefonnummern.

Wer führt die Narkose bei meinem Kind durch?

Ihre Narkoseärztin oder ihr Narkosearzt (Anästhesistin bzw. Anästhesist) wird mit Ihnen alle Einzelheiten der Anästhesie in Ruhe besprechen. Sie/Er wird Ihnen alle in Frage kommenden Anästhesieverfahren vorstellen und gemeinsam mit Ihnen das für Ihr Kind beste Konzept auswählen. Bei diesem Aufklärungsgespräch ist es sehr wichtig, dass Sie der Anästhesistin/dem Anästhesisten alle wichtigen Informationen zu Vorerkrankungen, vorherigen Behandlungen und zum aktuellen Gesundheitszustand Ihres Kindes mitteilen. Am Ende des Aufklärungsgespräches werden Sie gebeten, Ihre Zustimmung zur Anästhesie Ihres Kindes mit Ihrer Unterschrift zu bestätigen.

Während der Operation wird das Narkoseteam, bestehend aus einer Anästhesistin/einem Anästhesist und einer Anästhesieschwester/einem Anästhesiepfleger, auf Ihr Kind aufpassen und dafür sorgen, dass es sicher und schmerzfrei aus der Narkose erwacht.

Schmerzen nach einer Operation-muss das sein?
Die Einzelheiten der Schmerzbehandlung wird Ihre Anästhesistin/Ihr Anästhesist während des Aufklärungsgesprächs vor der Operation mit Ihnen besprechen. Schmerzen nach einer Operation sind leider nicht immer völlig zu vermeiden. Um die Schmerzen möglichst gering zu halten, wird Ihr Kind bereits vorbeugend Schmerzmittel bekommen. Falls nach der Operation stärkere Schmerzen auftreten, werden im Aufwachraum, auf der Kinderstation oder auf der Kinderintensivstation weitere Medikamente (in Form von Infusionen, Zäpfchen oder Saft) solange verabreicht, bis Ihr Kind nahezu schmerzfrei ist. Wann immer möglich, werden während der Narkose zusätzlich örtliche bzw. regionale Betäubungsverfahren  angewendet, welche auch nach der Operation schmerzstillend wirken. Als besondere Verfahren der Schmerzlinderung bei starken postoperativen Schmerzen bieten wir die eine sogenannte „Schmerzpumpe“ (patientenkontrollierte Analgesie, PCA) sowie Schmerzkatheterverfahren (u. a. Epiduralkatheter) an.

Wie lange vor einer Operation darf mein Kind nichts trinken und essen? Wann darf es nach einer Operation wieder trinken und essen?

Aus Sicherheitsgründen muss Ihr Kind vor der Operation nüchtern bleiben. Die genauen Nüchternzeiten wird Ihnen Ihre Anästhesistin/Ihr Anästhesist Ihnen mitteilen. Generell gilt folgende Regelung: Alle Kinder dürfen bis 2 Stunden vor der Narkoseeinleitung klare Flüssigkeiten trinken (Wasser, Tee, klare Säfte/Saftschorle). Neugeborene und Säuglinge dürfen bis 4 Stunden vor Einleitung gestillt werden (Muttermilch) oder Flaschennahrung (Formelmilch) erhalten. Kinder über 1 Jahr dürfen bis 6 Stunden vor Narkosebeginn feste Nahrung essen. Es ist jedoch empfehlenswert, vor einer Operation nur noch eine leichte Mahlzeit zu sich zu nehmen (z.B. Weißbrot, Joghurt, keine fetten Speisen).

Ist Narkose gefährlich?

Schadet die Narkose meinem Kind? Wie ist es, wenn in einem kürzeren Zeitraum wiederholt Narkosen durchgeführt werden müssen?
Eine Narkose ist heutzutage sehr sicher. Moderne Narkosemittel sind gut verträglich und werden vom Körper schnell abgebaut, so dass Ihr Kind rasch wieder auf die Beine kommt. Dennoch gibt es-in Abhängigkeit der Größe des Eingriffs und des Gesundheitszustandes des Kindes-eine geringe  Wahrscheinlichkeit von Komplikationen und Gesundheitsgefährdung. Aus diesem Grund ist das Narkoseteam während des Eingriffs ununterbrochen bei Ihrem Kind, um die Narkose zu überwachen und gegebenenfalls Komplikationen zu verhindern. Die modernen Überwachungstechniken und die spezielle Kindererfahrung unseres Narkoseteams tragen entscheidend dazu bei, dass eventuelle Probleme frühzeitig erkannt und schnell beseitigt werden können. Die speziellen Risiken einzelner Anästhesieverfahren wird Ihre Anästhesistin/Ihr Anästhesist Ihnen genau erläutern. Unser Kinderkrankenhaus ist zudem eine der ersten Einrichtungen in Deutschland, in der vor Beginn jeder Operation eine Checklisten-basierte Teamabstimmung mit allen beteiligten Disziplinen und Berufsgruppen („Time-out“) gemäß aktueller Empfehlung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) durchgeführt wird.  

Übelkeit und Erbrechen können bei Kindern nach einer Operation abhängig vom Alter, von der individuellen Veranlagung und von der Art des Eingriffs mehr oder weniger häufig auftreten. Aus diesem Grund erhalten viele Kinder bereits vorbeugende Medikamente. Husten, Heiserkeit oder Schluckbeschwerden nach einer Operation klingen meist nach wenigen Stunden wieder ab. Gelegentlich kann es an der Stelle von Infusionskanülen oder -kathetern zu kleineren Blutergüssen kommen. Schwere allergische Reaktionen auf Medikamente treten ausgesprochen selten auf.

Eltern sind häufig besorgt, wenn ihr Kind mehrere Narkosen in kürzerer Zeit benötigt. Es existieren aber derzeit keine sicheren Hinweise, dass Kinder durch Wiederholungsnarkosen Schaden nehmen. Wichtig erscheint gerade bei sich wiederholenden Krankenhausaufenthalten eine kompetente, kindgerechte Behandlung und Umgebung, um die psychische Belastung für Ihr Kind so gering als möglich zu halten und eine Traumatisierung zu verhindern. Unser Narkoseteam ist daher ganz auf die Bedürfnisse von Kindern, Jugendlichen und deren Eltern eingestellt.

Elterninformation der Deutschen Gesellschaft für Anästhesiologie & Intensivmedizin